Wann Selbstlosigkeit zu einem Führungsproblem wird.

Aktualisiert: Mai 7



Check-In: Bevor du mit dem Lesen startest. Nimm dir einen kurzen Moment und reflektiere das Thema dieses Beitrags. Welche Gedanken, Fragen und Erfahrungen fallen dir ein.

Kannst du dich an deinen letzten Flug erinnern?

Kannst du dich an die Sicherheitsanweisung erinnern?

Die Sicherheitsvorschriften sagen, dass sich jeder Fluggast zu erst, um sich und seine eigene Sicherheit kümmern soll. Setze dir zuerst die Sauerstoffmaske auf und kümmere dich dann um andere Mitreisende.

Wahrscheinlich ahnst du schon, was das mit dem Thema dieses Beitrags zu tun hat.


Ich bin u.a. als Mindful Leadership Coach unterwegs. Ich bin sehr dankbar, dass ich Führungskräften auf ihrem Weg zu mehr Selbst-Bewusstsein, Klarheit und Selbstvertrauen helfen kann.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir diese Unterstützung auf meinem Weg zur Führungskraft sehr geholfen hätte.

In meinen ersten Jahren als Führungskraft, wollte ich meinen Job um jeden Preis gut machen. Ich wollte für mein Team da sein, jeden einzelnen und das gesamte Team weiterentwickeln und motivieren, die Umsatz- und Effizienzziele erreichen, die Agentur voranbringen, vertrauensvolle und wachsende Kundenbeziehungen aufbauen, erfolgreiche Projekte umsetzen und die Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen in der Agentur optimieren.

Mein Ziel war: Es sollte allen gut gehen und alle sollten gemeinsam erfolgreich sind.

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass ein wichtiger Faktor in der Aufzählung fehlt. Ich selbst.

An mich, meine Motivation, mein Wohlergehen und meine Weiterentwicklung habe ich nicht gedacht. Ich war eher damit beschäftigt, die Dinge zu sehen, die ich nicht gut mache. Meine Gedanken kreisten um meine vermeintlichen Defizite. Ich habe mich als Führungskraft nicht nur einmal in Frage gestellt.


Ich habe selbstlos gegeben und gegeben und gegeben.

Aus meinen Coachings weiss ich, dass es vielen Führungskräften so geht. Selbstlos zu handeln, ist grundsätzlich gut. Es birgt aber auch die Gefahr zu selbstlos zu handeln.


Kurzfristig, hat mir dieses Verhalten sogar gutgetan:

  • Ich habe Anerkennung bekommen und durfte die größten Herausforderungen lösen. Sind wir mal ehrlich: Ich habe die größten Probleme gelöst 😊.

  • Ich konnte die Themen voranbringen, die mir wichtig waren. Unabhängig davon, ob sie zu meinem Verantwortungsbereich gehörten oder nicht. Mir war nur wichtig, dass unnötige Blockaden aus dem Weg geräumt werden.

  • Jeder hat gerne mit mir zusammengearbeitet. Das gibt erst einmal ein gutes Gefühl.

Langfristig kann selbstloses Verhalten eher schaden. Warum?

  • Ich habe viel gegeben, ohne zurückzubekommen. Das erzeugt Stress bzw. laugt aus. In meiner Yogalehrerausbildung habe ich gelernt, dass ein Energieausgleich wichtig ist. Ein schönes Beispiel ist eine Pflanze. Um Früchte zu ernten, muß sie regelmäßig gegossen werden.

  • Der Stress hat dazu geführt, dass ich nur noch funktioniert und erledigt habe. Ich habe mir keine Zeit genommen, Erfolge zu erkennen und zu feiern. Das hatte negativen Einfluß auf mein Selbstwertgefühl. Ich fühlte mich getrieben. Dabei wollte ich gestalten.

  • Stress sorgt dafür, dass wir in alte Verhaltensmuster fallen. D.h. wir sind nicht mehr offen für andere, für neuen Input. Wir verfallen in angstgetriebenen und bewertenden Verhaltensmuster.

  • Ich habe Probleme für andere gelöst und ihnen dadurch die Chance genommen an den Problemen zu wachsen. Ich habe mir dadurch das Vertrauen in meine Kollegen und das Team genommen bzw. aufgegeben. Ich habe meine stärkenorientierte und wertschätzende Haltung zu meinen Kollegen verloren. Für mich war diese Haltung eigentlich die Basis meiner Arbeit, weil sie für mich die Basis gemeinsamer Erfolge und gemeinsamer Weiterentwicklung ist.

  • Ich war kein gutes Vorbild (gerade als Führungskraft). Weil ich nicht auf mich aufpasst habe.

Das hört sich jetzt ziemlich dramatisch an. Ist es auch. Ich war eine Zeit lang ziemlich überfordert als Führungskraft.

ABER: Ich habe einen Weg gefunden, in meiner Rolle als Führungskraft anzukommen. Durch meinen Weg in die Achtsamkeit. Ich habe meine Stressfaktoren kennengelernt, gelernt mir Pausen für Learnings und Wachstum zu gönnen, mir meiner selbst bewusst zu werden und dadurch anderen zu vertrauen. Umso glücklicher bin ich heute, dass ich diese Learnings und Erfahrungen an andere Führungskräfte weitergeben kann.


In dem Buch „The Mind of the Leader“ von Rasmus Hougaard und Jacqueline Carter wird die Selfless-Matrix vorgestellt. Rasmus Hougaard und Jacqueline Carter sind renommierte Achtsamkeitstrainer und Leadership Coaches.

Ich selbst setze die Matrix gern in meinen Coachingsessions ein. Sie gibt eine gute Orientierung, zur Selbsteinschätzung (zur Matrix: https://www.shamashalidina.com/blog/selflessness-saves-lives)

Wenn du das Gefühl hast, dass du oft zu selbstlos handelst (ob Führungskraft oder nicht), dann nimm sie dir ruhig vor und überprüfe dich selbst.


Es ist ein schmaler Grad zwischen Engagement und Selbstlosigkeit.

Wenn du in einer ähnlichen Situation bist, wie ich es war und nicht so recht weisst, wie du da rauskommen sollst, melde dich gern bei mir. Oder tausche dich im ersten Schritt mit Freunden oder Kollegen aus. Vielleicht könnt ihr zusammen Lösungen finden.

Nimm dir nicht zu viel vor. Eine kleine Veränderung pro Woche reicht.


In diesem Sinne „Why not change from dislike to love our jobs?“


Check-Out: Nimm dir einen kurzen Moment und reflektiere deine Learnings aus dem Blogbeitrag und überlege, welches konkrete To Do du direkt heute umsetzen kannst.

JobLoveAffair-Blog

#whynotchangefromdisliketolove

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